Ratgeber

RFID im Wareneingang

Der Wareneingang ist die Stelle, an der ein Lager entweder sauber startet oder den ganzen Tag mit falschen Zahlen arbeitet. Wer Lieferungen nur stichprobenartig prüft, weil das vollständige Scannen zu lange dauert, trägt Fehler ins System, die erst Wochen später auffallen. RFID setzt genau hier an – wenn der Abgleich mitgedacht ist.

Der Ablauf im Idealfall: Die Palette kommt vom Lkw, wird durch ein Tor gefahren oder auf einen Tisch mit Leseantenne gestellt, und in wenigen Sekunden steht auf dem Bildschirm, welche Artikel in welcher Menge erkannt wurden – abgeglichen gegen den avisierten Lieferschein. Was fehlt, ist rot. Was zu viel da ist, ebenfalls. Der Rest braucht keine Aufmerksamkeit.

  1. Lieferung avisieren: Die erwartete Lieferung liegt im System, bevor der Lkw da ist. Ohne Sollwert gibt es nichts, wogegen die Lesung abgeglichen werden kann.
  2. Lesefenster öffnen: Eine Lichtschranke oder ein Bewegungssensor startet die Erfassung, wenn die Palette durchfährt. Das verhindert, dass danebenstehende Ware mitgelesen wird.
  3. Pulk lesen: Die Antennen erfassen die Transponder der Einheit. Mehrfachlesungen derselben Nummer werden zusammengeführt, die Signalstärke hilft, Vorbeifahrendes auszusortieren.
  4. Gegen den Beleg halten: Die Software vergleicht Ist und Soll und zeigt Fehlmengen, Übermengen und unerwartete Artikel. Nur diese Punkte gehen an einen Mitarbeiter.
  5. Buchen und einlagern: Die geprüfte Menge wird gebucht, der Einlagerungsauftrag entsteht daraus. Ein Zettel, der abends abgetippt werden müsste, bleibt nicht übrig.

Der Unterschied zur Barcode-Annahme ist nicht nur Geschwindigkeit. Beim Scannen entscheidet der Mitarbeiter, was geprüft wird; bei einer Pulk-Lesung wird geprüft, was da ist. Das verschiebt die Kontrolle von einer Stichprobe zur Vollerfassung, ohne dass jemand länger braucht. Gerade bei Lieferungen mit vielen kleinen Positionen ist das der Punkt, an dem die Rechnung aufgeht.

Damit das trägt, braucht es eine Voraussetzung, über die man nicht allein entscheidet: Die Ware muss bereits getaggt ankommen. Solange der Lieferant keine Transponder anbringt, muss man im Wareneingang selbst taggen – und dann ist der Zeitgewinn dahin, weil das Anbringen länger dauert als das Scannen. RFID im Wareneingang rechnet sich vor allem dort, wo entweder die Lieferanten mitziehen oder die eigene Produktion vorgelagert ist und selbst codiert.

Die zweite Voraussetzung ist die eindeutige Nummer. Ein EPC nach GS1-Standard enthält die Global Trade Item Number des Artikels und, je nach Ausprägung, eine Seriennummer. Nur wenn diese Nummer im eigenen System bekannt ist, wird aus einer Lesung eine Buchung. Wo Lieferanten eigene Nummernkreise verwenden, braucht es eine Übersetzungstabelle – lösbar, aber Pflegearbeit, die jemand übernehmen muss.

Die dritte Frage ist die Abgrenzung des Lesebereichs. Ein Tor am Wareneingang steht selten allein: Daneben stehen bereitgestellte Paletten, dahinter fährt ein Stapler durch, und der Versandbereich ist oft nur wenige Meter entfernt. Ohne Abgrenzung liest das Tor Ware mit, die gar nicht angeliefert wird. Abhilfe schaffen gerichtete Antennen, Lichtschranken oder Bewegungssensoren, die das Lesefenster nur öffnen, wenn tatsächlich etwas durchfährt, und die Auswertung der Fahrtrichtung.

Wo RFID im Wareneingang nichts ändert: bei der Sichtprüfung. Ein Transponder meldet, dass eine Einheit da ist, nicht dass sie unbeschädigt ist. Transportschäden, falsch etikettierte Ware und Qualitätsmängel sieht weiterhin nur ein Mensch. Die Technik verkürzt das Zählen, nicht das Hinschauen – und ein Wareneingangsprozess, der beides vermischt, verliert die Kontrolle, die er gewinnen sollte.

Wareneingang mit Barcode und mit RFID
SchrittMit BarcodeMit RFID
PrüftiefeIn der Praxis oft Stichprobe, weil Vollzählung zu lange dauertVollerfassung ohne Mehraufwand
Aufwand je PaletteSteigt mit jeder PositionWeitgehend unabhängig von der Anzahl der Positionen
Voraussetzung an die WareLesbares Etikett, erreichbar für den ScannerTransponder muss beim Lieferanten oder in der eigenen Produktion angebracht sein
Typische FehlerquelleÜbersehene Positionen, nachträgliches AbtippenZu weiter Lesebereich erfasst Ware aus der Umgebung mit
Was unverändert bleibtSichtprüfung auf TransportschädenSichtprüfung auf Transportschäden

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Häufige Fragen

Meistens nicht. Wenn im Wareneingang erst Transponder angebracht werden müssen, dauert das länger als das Scannen, und der Vorteil verschwindet. Sinnvoll wird es entweder, wenn Lieferanten mitziehen, oder wenn die Kennzeichnung ohnehin im eigenen Haus entsteht – etwa aus der eigenen Produktion heraus.

Durch gerichtete Antennen, abgestimmte Sendeleistung und ein Lesefenster, das erst durch eine Lichtschranke oder einen Bewegungssensor geöffnet wird. Zusätzlich lässt sich die Fahrtrichtung auswerten, damit eine Palette auf dem Weg nach draußen nicht als Zugang verbucht wird.

Er erscheint als Fehlmenge im Abgleich und geht an einen Mitarbeiter zur Prüfung. Genau dafür ist der Abgleich gegen den avisierten Beleg da: Er macht aus einer unvollständigen Lesung eine sichtbare Abweichung statt einer stillen Lücke im Bestand.

Nein. Sie ersetzt das Zählen, nicht das Hinschauen. Transportschäden, falsch gelieferte Ausführungen und Qualitätsmängel erkennt weiterhin nur ein Mensch. Die gewonnene Zeit sollte in die Sichtprüfung fließen, nicht aus dem Prozess verschwinden.

Ja. Für kleinere Mengen genügen ein Tisch mit Leseantenne oder ein mobiles Handgerät mit RFID-Aufsatz. Ein festes Tor lohnt sich, wenn der Durchsatz hoch ist und die Erfassung ohne zusätzlichen Handgriff im Fahrweg passieren soll.

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